Green Skill des Monats: August

Klimarisiken in Unternehmen analysieren und managen: Weitblick im Wandel

Autorin: Ramona Fuchs

Wenn der Rhein zu wenig Wasser führt, Lieferketten ins Stocken geraten und Hitze zur Belastungsprobe für Beschäftigte und Infrastruktur wird, ist der Klimawandel längst keine ferne Zukunftsfrage mehr. Der Sommer 2026 brach zahlreiche Temperaturrekorde in Europa, Deutschland erreichte mit 41,8 °C einen neuen Allzeitrekord. Über Wochen hinweg prägten Hitzewellen und Dürre den Alltag: Niedrigwasser in Flüssen wie dem Rhein führte zu Lieferkettenproblemen, Waldbrände beeinträchtigten Infrastrukturen, und hohe Temperaturen strapazierten zugleich die Gesundheit und Energieversorgung. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass solche Extremwetterereignisse künftig häufiger und intensiver auftreten werden.

Auch langfristig zeigt sich, wie deutlich sich die klimatischen Bedingungen verändern. Das Klima in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahrzehnten spürbar verändert. Seit Beginn der systematischen Wetteraufzeichnungen ist die mittlere Temperatur um 2,5 °C gestiegen. Europa gilt dabei als der Kontinent, der sich besonders stark erwärmt.

Mit dieser Erwärmung verschieben sich auch vertraute Muster: Hitzeperioden treten häufiger auf, Winter verlaufen milder, Schnee wird seltener und die Vegetation beginnt früher. Extremwetterlagen, die früher seltener waren, treten heute regelmäßiger auf. Der Klimawandel zeigt sich damit längst nicht mehr nur in einzelnen Ausnahmesommern, sondern schafft Schritt für Schritt neue Bedingungen für den Alltag, die Arbeitswelt und die Wirtschaft. Für Unternehmen bleiben diese Veränderungen nicht abstrakt: Sie können Betriebsabläufe beeinträchtigen und erhebliche Kosten verursachen.

Mit solchen Herausforderungen umzugehen, wird für Unternehmen immer wichtiger. Welche Kompetenzen brauchen Unternehmen also, um die nachhaltige Transformation erfolgreich zu gestalten? Der Green Skills Kompass bietet dafür eine strukturierte Orientierung. Er beschreibt relevante Kompetenzen anhand konkreter Beispiele und hilft Unternehmen, greifbar zu machen, welche Kompetenzbedarfe bestehen und wo gezielte Weiterbildung ansetzen kann. In dieser Blogreihe stellen wir jeden Monat einen Skill aus dem Kompass genauer vor. Im vergangenen Beitrag stand das »analytische Denken« im Mittelpunkt – eine der gefragtesten Kompetenzen der heutigen Arbeitswelt.

Diesmal richtet sich der Blick auf den Skill »Klimarisiken in Unternehmen analysieren und managen«.

Wenn Klimafolgen zu Kosten werden

Welche wirtschaftlichen Folgen der Klimawandel bereits heute hat, zeigt sich an den zunehmenden Kosten durch wetterbedingte Schäden. Wetterbedingte Schäden verursachen in Deutschland inzwischen regelmäßig Kosten in Milliardenhöhe. In mehreren Jahren lagen die Schäden bereits bei über 30 Milliarden Euro, während der langfristige Durchschnitt deutlich ansteigt. Im mittel- und langfristigen Szenario könnten sich die durchschnittlichen jährlichen Klimaschadenkosten bis 2050 auf das 1,5- bis 5-Fache erhöhen. 

European Environment Agency (2025) Annual economic losses caused by weather-and climate-related extreme events in the EU Member States

Für Unternehmen sind das sehr konkrete Risiken, weil Extremwetter Gebäude, Anlagen, Warenbestände, Transportwege und Betriebsabläufe gleichzeitig treffen kann. Was als Wetterereignis beginnt, wird für immer mehr Betriebe zur organisatorischen und wirtschaftlichen Herausforderung. Bereits heute berichten 21 Prozent aller Unternehmen in Deutschland von negativen Auswirkungen des Klimawandels.

Wie konkret dies werden kann, haben viele Beschäftigte und Unternehmen in der vergangenen Zeit selbst erlebt. Anhaltende Hitzeperioden haben zunehmend den Arbeitsalltag geprägt.

Was hilft: Klimarisikomanagement

Die Zahlen zeigen, wie schnell klimatische Belastungen zu konkreten betrieblichen Kosten werden. Gleichzeitig machen sie deutlich, welches wirtschaftliche Potenzial in frühzeitiger Vorsorge und gezielten Anpassungsmaßnahmen liegt.

Gezielte Anpassungsinvestitionen können Schäden erheblich reduzieren. Jeder investierte Euro in Präventiven und klimawandelgerechten Arbeitsschutz kann dazu beitragen, hohe Folgekosten zu vermeiden und die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern. Anpassungs- und Resilienzinvestitionen haben dabei einen Return on Investment vom Zwei- bis 19-Fache des eingesetzten Kapitals (World Economics Forum).

Darüber hinaus eröffnet Klimarisikomanagement neue Chancen. Unternehmen, die sich frühzeitig auf klimatische Veränderungen vorbereiten, können ihre Position am Markt stärken. Ein vorausschauender Umgang mit Risiken schafft zudem Vertrauen bei Geschäftspartnern und Banken. Er zeigt, dass ein Unternehmen mögliche Ausfälle berücksichtigt und langfristig plant. Welche Fähigkeiten dafür erforderlich sind, zeigt ein genauerer Blick auf die Kompetenz.

Skill des Monats: Klimarisiken in Unternehmen analysieren und managen

Klimarisiken in Unternehmen zu analysieren und zu managen bedeutet, betriebliche und strategische Risiken frühzeitig zu benennen, zu bewerten und zu bearbeiten. Langfristige Entwicklungen wie der Klimawandel werden dabei als ganzheitliches Risiko für Standorte, Lieferketten und Ressourcen betrachtet und veränderte regulatorische Vorgaben berücksichtigt. Zur Umsetzung werden potenzielle Gefahren ermittelt, mögliche (finanzielle) Folgen analysiert und Maßnahmen zur Absicherung und Anpassung entwickelt.

Wie diese Kompetenz in der betrieblichen Praxis zum Einsatz kommen kann, zeigt das folgende Beispiel: Ein Controller analysiert die steigenden Risiken durch die Häufigkeit und Dauer von Dürreperioden zur Folge haben. Zunächst entwickelt er Szenarien für unterschiedliche Dürregrade: eine leichte Dürre, die die Betriebskosten moderat erhöht, und eine extreme Dürre, die zu Produktionsstillständen führen könnte. Für jedes Szenario berechnet er mögliche finanzielle Folgen, darunter höhere Wasserpreise, reduzierte Produktionskapazitäten und zusätzliche Logistikkosten. Anschließend schlägt er Investitionen in ein betriebliches Wassermanagementsystem vor, einschließlich der Installation von Regenwassersammlern und der Prozessoptimierung für einen geringeren Wasserverbrauch. Er stimmt die Maßnahmen mit der Geschäftsleitung und der Produktionsleitung ab. So trägt er dazu bei, die Auswirkungen klimatischer Veränderungen frühzeitig kalkulierbar zu machen und das Unternehmen strategisch und finanziell resilient aufzustellen.

Das Beispiel zeigt, wie sich mögliche Entwicklungen mithilfe verschiedener Zukunftsszenarien greifbar machen lassen. Eine Methode, die Unternehmen dabei unterstützt, ist die Szenarioanalyse.

Umsetzungsoption: Szenarioanalyse

Die Szenariotechnik dient der Entscheidungsunterstützung, indem sie plausible Zukünfte unter Berücksichtigung von Annahmen und Einflussfaktoren systematisch beschreibt und daraus konkrete Handlungsoptionen ableitet. Mindestens zwei Extremszenarien werden erstellt: ein Best Case (positiv) und ein Worst Case (negativ); optional können weitere Varianten wie das Most Likely Case (Trendszenario) oder alternative Annahmen ergänzt werden. Typische Planungshorizonte reichen von kurzfristig ca. 5–10 Jahren, über mittelfristig ca. 11–20 Jahre bis langfristig über 20 Jahre. Die Szenariotechnik erfasst umfassend alle relevanten Einflussfaktoren, bleibt transparent und kreativ-intuitiv; Annahmen werden offen diskutiert, um Plausibilität und Nachvollziehbarkeit sicherzustellen. 

Analysephase: In der Analysephase wird der Untersuchungsgegenstand definiert, abgegrenzt und eine gemeinsame IST-Situation geschaffen, einschließlich der Ziel- und Rahmenbedingungen. Anschließend werden die relevanten Einflussbereiche und Faktoren identifiziert und eine grundlegende Systemdarstellung der Zusammenhänge erstellt, um die Basis für die Szenarioentwicklung zu legen.

Entwicklung der Szenarien: Die identifizierten Einflussfaktoren werden in die Zukunft fortgeschrieben und zu Extremszenarien wie Best Case und Worst Case oder weiteren Varianten kombiniert. Die Szenarien sollen konsistent, nachvollziehbar und plausibel beschrieben und idealerweise visuell dargestellt werden, um deren Auswirkungen auf das Unternehmen transparent zu machen.

Auswertung der Erkenntnisse: In der Auswertungsphase werden die Konsistenz und Logik der Alternativen überprüft, die Szenarien bewertet und Schlüsse zu Chancen, Risiken sowie konkreten Handlungsoptionen gezogen. Anschließend werden Maßnahmen abgeleitet und deren Umsetzung geplant, um auf Basis der Ergebnisse gezielt handeln zu können.

Verwandte Skills

Die Szenarioanalyse zeigt bereits, dass beim Klimarisikomanagement verschiedene Fähigkeiten zusammenspielen. Das Schaubild ordnet die Kompetenz »Klimarisiken in Unternehmen analysieren und managen« in dieses Kompetenzumfeld ein. Es zeigt Verbindungen zu analytischem Denken, Problem Framing, Future Thinking, Kommunikationskompetenz, zielgerichteter Zusammenarbeit, der Durchführung agiler Projekte, der Bewertung finanzieller Klimarisiken sowie der Kompetenz, nachhaltige Zukunftsszenarien zu entwerfen und zu implementieren. Welche dieser Skills besonders gefragt sind, hängt von der jeweiligen Aufgabe und dem Unternehmenskontext ab. Auf zwei der verwandten Kompetenzen wird im Folgenden genauer eingegangen.

Nachhaltige Zukunftsszenarien entwerfen und implementieren: Die Fähigkeit, verschiedene Zukunftsszenarien zu entwerfen, zu visualisieren und  alternative Handlungsoptionen diskutierbar zu machen ist eine wichtige Innovations- und Methodenkompetenz. Um das dabei ausgewählte Szenario für Nachhaltigkeit zu verwirklichen, werden im zweiten Schritt konkrete Maßnahmen und zu beteiligende Akteure identifiziert. Hierzu braucht es eine Verknüpfung von Future Thinking mit umsetzungsorientierten Organisations-, Planungs- und Netzwerkkompetenzen.

Finanzielle Risiken des Klimawandels bewerten: Die Kompetenz, finanzielle Auswirkungen des Klimawandels zu beurteilen, umfasst die Fähigkeit, Risiken und Chancen aus Klimawandel, Ressourcenknappheit und Biodiversitätsverlust für das eigene Unternehmen systematisch zu erkennen und zu bewerten. Dazu zählen sowohl physische Risiken als auch Übergangsrisiken, etwa durch regulatorische Veränderungen oder neue Marktanforderungen. Die Ergebnisse werden für strategische Entscheidungen, Risikomanagement und Berichterstattung nutzbar gemacht, etwa mithilfe von TCFD und TNFD.

Quellen

Tagesschau. (30.07.2026). Hitzewelle in Deutschland. 40-Grad-Marke erneut geknackt - Abkühlung nach Gewittern. 40-Grad-Marke erneut geknackt - Abkühlung nach Gewittern | tagesschau.de

ExtremWetterKongress 2025 in Hamburg https://www.dwd.de/DE/presse/ewk_hamburg/ewk_hamburg_2025_node.html

RKW Kompetenzzentrum. Klimarisiken für kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland. https://www.rkw-kompetenzzentrum.de/innovation/blog-1/klimarisiken-fuer-kmu/

WirtschaftsRaumAugsburg. https://www.region-a3.com/fact/klimarisikomanagement/

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS). (2026). Klimabedingte Risiken für die Arbeitswelt Ökonomische Verluste und die strategische Rolle des Arbeitsschutzes bei der Klimaanpassung.  https://www.prognos.com/sites/default/files/2026-04/260317_Klimabedingte_Risiken_fuer_die_Arbeitswelt_Report_final.pdf

Allianz Research. (2026). Too hot to grow The economic costs of extreme heat. https://www.allianz-trade.de/content/dam/onemarketing/aztrade/allianz-trade_de/dokumente/2026-05-28-allianz-trade-studie-the-economic-costs-of-extreme-heat.pdf

World Economics Forum. (2024).The Cost of Inaction: A CEO Guide to Navigating Climate Risk. ANNUAL REPORT. https://reports.weforum.org/docs/WEF_The_Cost_of_Inaction_2024.pdf

European Environment Agency (2025) Economic losses from weather- and climate-related extremes in Europe. https://www.eea.europa.eu/en/analysis/indicators/economic-losses-from-climate-related?activeAccordion=#figure-2-economic-losses-and-fatalities-caused-by-weather---and-climate---related-extreme-events-1980-2024---per-country

Letzte Änderung: