Green Skill des Monats: Juli
Analytisches Denken: Unsichtbare Superkraft
Autorin: Ramona Fuchs
Das die Wirtschaft und Arbeitswelt sich in mehreren Veränderungen gleichzeitig befindet ist inzwischen jedem klar. Demografischer Wandel, Klimawandel und technische Entwicklungen stellen kleine und mittelständische Unternehmen auf die Probe. Häufig wird dabei unterschätzt, wie viel die Mitarbeitenden durch ihre Skills und Kompetenzen die bevorstehende Transformation beeinflussen können.
Um diese aber effektiv nutzen zu können, müssen sie gekannt und erlernt werden. Weiterbildung im Unternehmen oder »Upskilling« kommt dabei in den Kopf. Aber wer anfängt verliert schnell den Überblick und die Orientierung: welche Kompetenzen gibt es, welche sind wichtig für welche Ebene und Abteilung, wie setzte ich das um.
Nach der Suche hat man noch mehr Fragen als davor und weiß immer noch nicht, wie man das im eigenen Unternehmen anwendet.
Genau hier setzt der Green Skills Kompass an. Er hilft Unternehmen dabei, aus abstrakten Anforderungen konkrete Entwicklungsfelder zu machen und die Frage nach relevanten Kompetenzen strukturierter anzugehen. Statt sich durch unzählige Begriffe, Modelle und Einzelthemen arbeiten zu müssen, bietet der Kompass einen Rahmen, um Kompetenzbedarfe zu erkennen, Weiterbildungsmaßnahmen gezielter zu planen und Nachhaltigkeit als gemeinsame Aufgabe in der Organisation zu verankern.
Besonders hilfreich ist, dass durch Beschreibungen und Beispiele die Kompetenzen anschlussfähig für die eigene Praxis werden und damit bereits eine Vorstellung davon geben, wie der Weg im eigenen Unternehmen aussehen kann. Gemeinsam kann daraus ein individueller Kompass entstehen, der zu Branche, Abteilungen, Rollen und dem jeweiligen Entwicklungsstand passt.
Gerade wenn klarer wird, welche Kompetenzbedarfe im eigenen Unternehmen bestehen, rücken bestimmte Skills besonders in den Fokus. Einer davon ist analytisches Denken. Laut Future of Jobs Report des World Economic Forum zählt es bereits zum dritten Mal in Folge zu den gefragtesten Kernkompetenzen der Arbeitswelt. Weltweit nennen 69 % der befragten Unternehmen analytisches Denken als essenzielle Kompetenz. Gleichzeitig gehört der Skill zu den Top 10 der am schnellsten wachsenden Kompetenzen.
79% der Unternehmen erwarten einen Zuwachs an Wichtigkeit in der Zukunft und identifizieren analytisches Denken damit als absolute Priorität. Dass analytisches Denken für Unternehmen so relevant ist, zeigt sich nicht nur in den globalen Zahlen, sondern auch ganz konkret in verschiedenen Branchen.
Analytische Denken in der Arbeitswelt
Die hohe Relevanz von analytischem Denken zeigt sich nicht nur allgemein in den Ergebnissen des Future of Jobs Report, sondern auch beim Blick auf einzelne Branchen. Eine Auswertung des World Economic Forum macht deutlich, dass der Skill in ganz unterschiedlichen Bereichen stark gefragt ist. Besonders hohe Werte zeigen sich in Bildung und Training sowie in Lieferketten und Transport mit jeweils 70 %. Dahinter folgen die Automobil- und Luftfahrtindustrie mit 68 %, die Telekommunikation mit 67 % und die Produktion von Konsumgütern mit 65 %.
Gleichzeitig wird daran deutlich, dass analytisches Denken keine Kompetenz für einzelne Fachbereiche ist. Überall dort, wo Informationen eingeordnet, Zusammenhänge erkannt und Entscheidungen vorbereitet werden müssen, spielt der Skill eine wichtige Rolle. Umso wichtiger ist die Frage, was genau mit analytischem Denken eigentlich gemeint ist.
Kurzeinblick ins analytische Denken
Was ist analytisches Denken überhaupt? Grundsätzlich bedeutet analytisches Denken, komplexe Informationen zu verstehen, zu überprüfen und daraus notwendige Maßnahmen ableiten zu können. Es geht also darum, Informationen oder Aufgaben strukturiert in übersichtliche, logisch verbundene Einheiten zu zerlegen, um Zusammenhänge zu erkennen und zu ordnen. Im Bereich der Nachhaltigkeitstransformation ergibt sich daraus eine Vielfalt an praktischer Anwendung.
Eine Mitarbeiterin in Vertrieb analysiert beispielsweise die Materialien eines Produkts und stellt fest, dass vor allem die Kunststoffverpackung und lange Transportwege den größten Teil des ökologischen Fußabdrucks verursachen. Sie vergleicht daraufhin verschiedene Alternativen hinsichtlich Materialeinsatz, Recyclingfähigkeit, Kosten und Lieferwegen und erkennt, dass eine regional verfügbare Verpackung aus Recyclingmaterial die sinnvollste Lösung ist. Auf dieser Basis empfiehlt sie eine Umstellung, durch die Emissionen reduziert, Ressourcen geschont und gleichzeitig die Anforderungen an Qualität und Wirtschaftlichkeit erfüllt.
Das Beispiel zeigt schon, wie analytisches Denken in der Praxis aussehen kann. Für den Arbeitsalltag wird der Skill aber noch greifbarer, wenn man sich die einzelnen Schritte dahinter genauer anschaut.
Schritte des analytischen Denkens
- Problem erkennen: Am Anfang steht die klare Identifikation des Problems. Dafür wird die Ausgangslage betrachtet, eingeordnet und kritisch hinterfragt. Hilfreich können dabei Methoden wie wiederholtes „Warum?“ oder klassische W-Fragen sein, um schrittweise zum Kern des Problems vorzudringen.
- Teilbereiche zerlegen: Im nächsten Schritt wird das Problem in einzelne, bearbeitbare Teilbereiche aufgeteilt. So wird es übersichtlicher und kann strukturierter betrachtet werden. Dabei kann eine Gliederung nach Kategorien, Abteilungen oder entlang einer Leitfrage helfen. Wichtig ist außerdem, dass die Analyse durch Daten aus dem Unternehmen gestützt wird.
- Muster erkennen: Anschließend werden die Erkenntnisse aus den einzelnen Teilbereichen wieder zusammengeführt und in Beziehung gesetzt. Ziel ist es, Zusammenhänge, Ursachen und wiederkehrende Muster zu erkennen. Auch Analyseinstrumente wie eine SWOT-Analyse können dabei unterstützen.
- Lösungen entwickeln: Auf Grundlage der Analyse werden anschließend mögliche Lösungsansätze entwickelt. Dabei können zunächst verschiedene Ideen gesammelt und danach im Hinblick auf ihre Umsetzbarkeit und Wirkung bewertet werden. Auch das Arbeiten mit Szenarien kann in diesem Schritt sinnvoll sein.
- Ergebnisse evaluieren: Nach der Entscheidung für einen Lösungsansatz ist es wichtig, dessen Umsetzung zu beobachten und zu bewerten. So lässt sich feststellen, ob die gewählte Maßnahme die gewünschte Wirkung erzielt oder ob Nachbesserungen erforderlich sind.
Analytisches Denken im Zusammenspiel
Analytisches Denken zeigt sich in der Praxis selten als isolierte Einzelkompetenz. Gerade im Arbeitsalltag steht der Skill meist in engem Zusammenhang mit weiteren Fähigkeiten, die sich gegenseitig ergänzen und verstärken. Wer analytisch denkt, kann Informationen strukturieren, Zusammenhänge erkennen und fundierte Entscheidungen vorbereiten. Gleichzeitig helfen andere Kompetenzen dabei, analytisches Denken wirksam einzusetzen, etwa dann, wenn es darum geht, mit Unsicherheit umzugehen, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen, aus Erfahrungen zu lernen oder Veränderungen konstruktiv zu begleiten. So entsteht ein Zusammenspiel von Fähigkeiten, das besonders in komplexen Transformationsprozessen wichtig werden. Das Schaubild verdeutlicht diese Verbindungen und zeigt, mit welchen Kompetenzen analytisches Denken besonders eng verknüpft ist. Auf zwei davon wird im Folgenden noch genauer eingegangen.
Komplexitätskompetenz
Analytisches Denken hilft dabei, komplexe Situationen zu strukturieren und einzelne Zusammenhänge besser zu verstehen. Komplexitätskompetenz geht noch einen Schritt weiter: Sie beschreibt die Fähigkeit, sich auch in vielschichtigen, dynamischen und oft unvorhersehbaren Situationen zurechtzufinden. Dazu gehört, Unsicherheiten auszuhalten, widersprüchliche Entwicklungen einzuordnen und Lösungswege zu entwickeln, ohne vorschnell zu vereinfachen. Gerade in Transformationsprozessen ist diese Kompetenz wichtig, weil Herausforderungen selten eindeutig sind und oft mehrere Perspektiven gleichzeitig berücksichtigt werden müssen.
Entscheiden unter Ungewissheit
Auch beim Entscheiden unter Ungewissheit spielt analytisches Denken eine wichtige Rolle. Wer analytisch denkt, kann Informationen ordnen, Optionen abwägen und mögliche Auswirkungen besser einschätzen. Gleichzeitig braucht es die Fähigkeit, auch dann Entscheidungen zu treffen, wenn Informationen unvollständig, widersprüchlich oder noch im Wandel sind. Entscheiden unter Ungewissheit bedeutet daher, Handlungsbedarfe in komplexen Situationen zu erkennen, verschiedene Möglichkeiten zu bewerten, eine fundierte Entscheidung zu treffen und diese auch zu verantworten. Dazu gehört ebenso, Risiken realistisch einzuschätzen und flexibel auf Veränderungen zu reagieren.
Praxistipp: Analytische Denken trainieren
Die eigene Analysefähigkeit lässt sich bereits im Alltag gezielt trainieren. Hilfreich ist es zum Beispiel, Fallstudien zu bearbeiten, um komplexe Fragestellungen strukturiert zu durchdenken und verschiedene Lösungswege zu vergleichen. Auch die Mitarbeit in neuen Projekten kann analytisches Denken fördern, weil dabei oft unbekannte Aufgaben, neue Zusammenhänge und unterschiedliche Perspektiven berücksichtigt werden müssen.
Ebenso wertvoll ist es, sich Mentorinnen und Mentoren zu suchen oder gezielt Feedback einzuholen, um das eigene Vorgehen zu reflektieren und neue Denkansätze kennenzulernen. Weiterbildungskurse und das Lesen von Fachliteratur helfen zusätzlich dabei, Methoden, Modelle und Hintergründe besser zu verstehen und im eigenen Arbeitskontext anzuwenden.
Auch im privaten Alltag gibt es viele Möglichkeiten, analytisches Denken zu stärken. Strategiespiele wie Schach, Logikrätsel, Zahlenreihen oder auch bestimmte Computerspiele fördern die Fähigkeit, Muster zu erkennen, vorausschauend zu denken und Entscheidungen auf Grundlage von Informationen zu treffen.
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Autorin: Ramona Fuchs
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