Abgeschlossenes Projekt
Hintergrund
Die Menschheit zerstört in einem beispiellosen Ausmaß die Ökosysteme unserer Meere und Küsten. Diese Zerstörung hat nicht nur direkte katastrophale Auswirkungen für Mensch und Natur in den jeweiligen Meeren und Küstenregionen, sondern auch auf das globale Ökosystem und damit auf die Lebensgrundlage der gesamten Menschheit.
Auch wenn viele der menschengemachten Schäden irreversibel sind, zielt die Die EU-Mission Restore Our Ocean and Waters by 2030 darauf ab, die Gesundheit unserer Ozeane und Gewässer, wo möglich, wiederherzustellen und in Zukunft zu schützen. Dabei liegt der Fokus auf der Artenvielfalt, der Beseitigung der Umweltverschmutzungen und der Schaffung einer kohlenstoffneutralen und zirkulären blauen Wirtschaft.
Besonders wichtige Projekte, sogenannte Leuchttürme, werden in vier großen europäischen Meeres- und Flussgebieten schon heute umgesetzt. In der ersten Phase der EU-Mission (2021-2025) werden potenzielle Lösungen dieser lokalen Leuchtturmprojekte aufgezeigt, die in der zweiten Phase (2026-2030) auf die gesamte EU ausgeweitet und übertragen werden.
Ziel
Das Ziel des Projekts BlueMissionAA ist die Koordination und Unterstützung von Missions-Projekten der Europäischen Kommission, die ihrerseits das Ziel haben, die marinen Ökosysteme im Atlantik und der Arktis sowie deren Küsten wiederherzustellen.
Bei der Verfolgung dieses Ziels liegt der Fokus auf der Einbindung, Kooperation, Partizipation und Befähigung der direkt betroffenen lokalen Bevölkerung. Die konsequente Einbindung der in den betroffenen Küstenregionen ansässigen Menschen ist ein wichtiger Faktor für die nötige, nachhaltige Verbesserung der marinen Ökosysteme und Lebenssituation der betroffenen Bevölkerung.
Nachhaltigkeit (Sustainable Development Goals, SDGs), Verantwortung (Social Impact) und Ethik (Responsible Research and Innovation, RRI, sowie Open Science) sind die Eckpfeiler jeder Forschung, Entwicklung und Innovation. Dies ist im Bereich der Küstenrenaturierung besonders wichtig, da so viele Menschen direkt betroffen sind. Um sicherzustellen, dass die entwickelten Lösungen und Verfahren mit den geltenden ethischen Standards übereinstimmen, ist ein ganzheitlicher Bezugsrahmen für eine Analyse und Bewertung der Einhaltung dieser Standards erforderlich. Das Fraunhofer IRB hat im Rahmen dieses Projekts ein solches ganzheitliches Analysetool entwickelt.
Rolle des Fraunhofer IRB
Das Fraunhofer IRB hat im Rahmen von Aufgabe T5.3 einen ganzheitlichen Bewertungsrahmen zur Messung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten entwickelt. Er umfasst:
- Verantwortungsvolle Forschung und Innovation (RRI) für Innovationsprozesse;
- Nachhaltige Entwicklung (SDGs) für Produkte und Lösungen;
- Soziale Auswirkungen für die gesamte Wertschöpfungskette (Social Impact).
- Transparenz und Offenheit im Forschungsprozess (Open Science)
Ergebnisse
Der entwickelte Bewertungsrahmen wurde in zwei frei verfügbaren Selbstreflexionstools operationalisiert: dem Responsible and Sustainable Research Reflection Tool for Ocean and Waters für Projekte im Bereich Ozeane und Gewässer sowie einer thematisch breiter nutzbaren Version, dem Responsible and Sustainable Research Reflection Tool. Beide Tools unterstützen Forschungs- und Innovationsprojekte dabei, Verantwortung, Nachhaltigkeit, Open Science und Social Impact frühzeitig und systematisch zu reflektieren. Sie machen zentrale Anforderungen aus Responsible Research and Innovation (RRI), den Sustainable Development Goals (SDGs), Open Science und Social Impact in einem kompakten, niedrigschwelligen Format anwendbar und helfen Projekten, Stärken, Lücken und Weiterentwicklungsbedarfe zu identifizieren. Der Nutzen liegt insbesondere darin, dass die Tools nicht als externe Bewertung, sondern als praxisnaher Einstieg in projektinterne Reflexion, Diskussion und iterative Verbesserung angelegt sind. Die Testung mit 29 Teilnehmenden aus 21 Projekten zeigte, dass die Tools als verständlich, umfassend und hilfreich für die Einordnung der eigenen Forschungsarbeit wahrgenommen wurden. Die Ergebnisse und weiterführenden Ressourcen sind über das Deliverable 5.9, WaveLinks, das sowie den Policy Brief zugänglich.
Die Reflection Tools sind als dauerhaft nutzbare Ressource für Forschungsprojekte, Fördermittelgeber und Koordinationsprojekte angelegt. Sie unterstützen Projekte dabei, Verantwortung, Nachhaltigkeit, Open Science und gesellschaftliche Wirkungen systematisch in die eigene Forschungs- und Innovationspraxis zu integrieren. Derzeit werden beide Versionen zu interaktiven Online-Tools weiterentwickelt, mit denen Ergebnisse und Fortschritte künftig verfolgt und verglichen werden können. Damit können sie auch für Monitoring- und Lernprozesse in künftigen Förder- und Koordinationskontexten genutzt werden, unter anderem im Folgeprojekt BlueActionArcticAtlantic.